In der heutigen Financial Times Deutschland fand sich ein sehr kritischer Kommentar zum Finanzindstrument ETF. Dabei ging es vor allem auch um die Rolle von ETFs während Börsencrashs. Diese können Crashs sogar noch verstärken. Hier die wichtigsten Punkte aus dem Artikel (sinngemäß übernommen, hier und da aber leicht verändert):
Früher bildeten die ETFs Aktienindizes ab, indem sie einfach die Einzelaktien kauften.
Irgendwann wurde diese Methode zu teuer, insbesondere bei ausgefalleneren Werten. Stattdessen wurden synthetische ETFs erfunden. Diese kaufen die Aktien nicht mehr physisch (direkt) sondern kopieren die Wertentwicklung mit Hilfe von Derivaten.
Ein Beispiel: ein Kunde möchte in den russischen Aktienmarkt investieren. Statt die Aktien zu kaufen, geht der ETF Anbieter in eine Derivatetransaktion mit einer Bank ein. Dabei handelt es sich um einen „Total Return Swap“. Der ETF Anbieter übergibt das Geld des Investors an einen Finanzintermediär, der ihm die Indexabbildung abnimmt und Sicherheiten leistet. Das können dann aber irgendwelche Wertpapiere sein. Wer auf russische Aktien setzt, kann am Ende auch US-Hochzinsanleihen in seinem ETF haben.
Die Probleme dabei:
Interessenskonflikte. Häufig handelt es sich bei der Bank und dem SWAP-Partner um dieselbe Bank. Sie nützt so Synergien zwischen der Vermögensverwaltung und dem Investmentbanking. Statt illiquide Wertpapiere teuer auf dem Repomarkt zu finanzieren, kann die Bank den Ballast einfach der ETF-Tochter zuschieben. Die Gefahr besteht, dass so bewusst schlechte Wertpapiere in die Kundenportfolios gedrückt werden. Durch Basel II, und die daraus entstehenden höheren Eigenkapitalanforderungen sind die Banken gezwungen nach billigeren Finanzierungsformen zu suchen um die Profitabilität zu steigern.
Je mehr ETFs als Finanzierungsform gewählt werden, desto höher ist die Ansteckungsgefahr während einer Marktpanik. Fordern die Anleger ihr Geld zurück, muss die Bank womöglich Sicherheiten verkaufen. Es kann zu Notverkäufen quer über alle Asset Klassen kommen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben.
Quelle: Financial Times Deutschland
Fazit:
ETFs sind nicht so einfach verständliche wie es oftmals dargestellt wird. Neben vielen Vorteilen (v.a. billig) sind auch einige Nachteile mit diesen Finanzinstrumenten verbunden. Über die tatsächliche Werthaltigkeit wird der Anleger im Unklaren gelassen. Zudem können ETFs aufgrund der immer höheren Relevanz (da sie immer größer und verbreiteter werden) in kritischen Börsephasen die Märkte zusätzlich erschüttern (siehe oben). Letztendlich sind ETFs kaum reglementiert und sind zu dem geworden was sie heute sind, hoch komplexe Finanzinstrumente, die in der jetzigen Form eine potenzielle Gefahr für die Finanzmärkte darstellen.