Aktueller Marktkommentar: Angst vor Stagflation

Sorgen vor einer Ausweitung der politischen Unruhen auf weitere afrikanische Länder und die Golf-Region sorgen derzeit für hohe Verunsicherung an den Märkten. Insbesondere der Ölmarkt ist davon betroffen. Die europäische Rohölsorte, Brent, notiert derzeit bei knapp 115 USD je Barrel. Fundamental ist der Ölpreis derzeit teuer, da die Öllager in den USA überdurchschnittlich hohe Reserven aufweisen und zudem die OPEC-Länder über weitere freie Ölförderkapazitäten verfügen. Trotzdem schürt der schnelle Ölpreisanstieg bei einigen Börsianern bereits Angst vor einer höheren Inflation bei gleichzeitig schwächerem Wirtschaftswachstum (worst case: Stagflation).


Aktienmarkt Einschätzung Februar 2011 Update

–> Mittelfristig weitere Fortsetzung des Aufwärtstrends wahrscheinlich
+ Vorlaufindikatoren auf hohem Niveau à wirtschaftl. Expansion
+ niedrige Bewertung im langfristigen Vergleich (KGV, KBV)
+ weiterhin hohe Liquidität am Markt à Schutz vor signifikanten Einbrüchen
+ niedrige Zinsen (fehlende Anlagealternativen)
+ hoher Barmittelbestand der Unternehmen wird für Übernahmen und Aktienrückkäufe verwendet
+ niedriger Aktienbestand bei Investoren

- Hohe Verschuldung und Sparpakete bremsen Wachstum
- Ungelöste Verschuldungsproblematik vieler Industrieländer

–> Kurzfristig weiterer Anstieg trotz markttechnischer Überhitzung wahrscheinlich
+ hohe Liquidität
- (zu)viel Optimismus

 –> Branchen/Sektoren:

  • Konzentration auf „Bluechips“: Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell und niedriger Verschuldung
  • Dividendenwerte (v.a. Telekom & Energie)
  • Spekulativ kurzfristig: Finanzwerte, Immobilienaktien

–> Regionen:

  • Österreich (niedrige Bewertung (KGV 2011e: 11x), hohes Gewinnwachstum)
  • Emerging Markets langfristig aufgrund besserer Fundamentaldaten


Ölpreis Einschätzung Februar 2011 Update

–> Kein „Durchmarsch“ bis zum Allzeithoch (150 USD je Barrel)
- Hohe Lagerstände
- Hohe Reserveproduktionskapazitäten der OPEC

–> Ölpreis weiter auf hohem Niveau
+ anhaltend hohe Nachfrage aus den Emerging Markets
+ US Wirtschaftswachstum 2011 relativ robust erwartet
+ Generell beschränktes Angebot
+ geopolitische Spannungen

–> 90 – 105 USD je Barrel für die nächsten Monate

 

Mögliche Ursachen für den Rekordspread von WTI zu Brent:
  • extremes Überangebot an Öl in den USA (Lager in Cushing überfüllt) (Hauptursache)
  • Angebotskappheit in Europa (Probleme mit Bohrinseln in der Nordsee)

Brent / WTI Spread auf Rekordniveau


Da Brennen wohl Sicherungen durch

Wenn man sich den Aktienmarkt anschaut, insbesondere die Nebenwerte wie Evotec, Dialog oder Aixtron, dann könnte man meinen, dass wohl bei einigen Börsianern die Sicherungen gerade durchbrennen. Die Aktien steigen mit so einem Momentum, dass man beinahe Angst bekommen könnte (Angst vor Gewinnen, haha).

Mal im Ernst, nach diesen Zugewinnen macht es sicherlich mal Sinn über eine zumindest teilweise Gewinnmitnahme nachzudenken bzw. die Absicherungen enger zu ziehen. Auch wenn es schon beinahe zu schön ist um wahr zu sein, sollte man die Realität nicht aus den Augen verlieren und am Boden bleiben.

Die Optimismuswerte der Fondsmanger und Börsebriefe sind mittlerweile extrem hoch, was als Kontraindikator zu interpretieren ist. Eine Verschnaufpause wäre eigentlich schon längst überfällig. Also Vorsicht in der nächsten Zeit.

Stimmung unter Hedge Fonds Managern im Dezember 2010:

Quelle: BarclayHedge