Ändert die Finanzkrise Ihr Tradingverhalten?

Also meines tut es. Während ich mir früher nichts dabei gedacht habe einen Optionsschein oder ein Zertifikat eines bestimmten Kreditinstituts als Anlage oder kurzfristiges Spekulationsobjekt zu verwenden, überlege ich derzeit zwei Mal wem ich mein Geld anvertraue und wem nicht.

Besonders aufgefallen sind mir Optis und Zertis einer bestimmten Bank (will ich nicht unbedingt verraten). Die Produkte dieses Instituts sind die günstigsten (haben die niedrigste Volatilität, enge Spreads). Natürlich kann man dies als exzellente Serviceleistung der Bank werten. Ein Schelm aber der dabei denkt, dass die Bank bessere Angebote macht um auch ja an Liquidität zu kommen. Aber was passiert wenn die Bank plötzlich Insolvenz anmeldet? Wer garantiert mir, dass der Bank auch wirklich aus der Patsche geholfen wird, durch einen Konkurrenten oder den Staat beispielsweise? Die Spareinlagen mögen vom Staat garantiert sein, doch was ist mit Schuldverschreibungen (Optionsscheine und Zertifikate sind nichts anderes). In einem solchen Fall können Sie diese getrost abschreiben.

Um eine solche Situation schon im Vorhinein zu vermeiden, ist es sicherlich gut sich genau zu überlegen wem man sein Geld anvertraut. Übrigens sollte dieser Satz eigentlich immer seine Gültigkeit haben und nicht nur während einer Finanzkrise.


Bailout for Wall Street und als die Hoffnung starb

Viele Diskussionen hat es rund um das Rettungspaket für die Wall Street und respektive die USA gegeben. Ein Allheilmittel war der 700 Mrd. Dollar Plan von Paulson von Anfang an nicht. Was zu Beginn nach einem Hoffnungsschimmer für die Börsen aussah, hat den Überraschungseffekt verloren. Die Börsen haben die Absegnung des Gesetztes (auch wenn noch nicht vom Repräsentantenhaus beschlossen, aber dennoch reine Formsache) längst eingepreist. Der erhoffte Effekt daraus ist längst verpufft. Die Hoffnung, dass es die Börsen wieder nach Oben treibt ist längst verflogen. Nun ist Konzentration auf fundamentale Daten angesagt und die sind schlecht, wie auch heute wieder deutlich sichtbar wurde.

Noch ein paar Worte zum Bailout: natürlich ist es gut, wenn sich jemand der toxischen Kredite annimmt und diese aus den Bilanzen der Banken schafft. Doch nur weil Banken kein weiteres Geld verlieren (oder nicht mehr so viel), heißt es noch lange nicht, dass die Wirtschaft auch wieder floriert. Ich bezweifle starkt, ob die Wirtschaften wieder von selbst in Schwung kommen oder ob doch nicht bald weitere Zinssenkungen notwendig sein werden.


Tap, tap, tap! Ist da schon ein Boden?

Gute Frage! Die richtige Antwort darauf weiß natürlich niemand.

Jedoch wächst für mich die Liste mit den Punkten die für eine zumindest zwischenzeitliche Bodenbildung sprechen könnten:

1. Banken haben wieder Zugang zu Liquidität. Die Interbankenzinssätze sinken.

2. Alles Geld der Welt ist im Geldmarkt, Redite bekommt man dort fast keine mehr, also Zeit für eine Rückkehr in die Aktien und Commodities-Märkte?

3. Die SEC hat die Shorting-Regeln wieder angezogen (trugen dazu bei dass es nach Bear Sterns so munter raufging)

4. Nachlassendes negatives Nachrichtenmomentum. Die Reihen der Loser lichten sich. Es bleiben noch ein paar übrig die hoffentlich auch bald verkauft werden, z.B. Morgan Stanley und WaMu.

Also mit der Zehenspitze kann ich den Boden schon ertasten, hoffentlich. :)


Crash! Boom! Bang! Werden morgen die US-Leitzinsen gesenkt?

Ok, in der Früh haben die Märkte wirklich trostlos ausgesehen, doch am Nachmittag nach dem US-Handelsstart hat sich die Situation etwas entspannt. Ich glaube viele haben Schlimmeres befürchtet und 300 Punkte im Dow ist eigentlich nicht so “schlimm”. Weiter runter gehen könnte es aber wenn noch weitere Unternehmen Konkurs anmelden, AIG etwa. Das sieht zwar wirklich schlimm aus (aktuell -67 % !).

Anderseits glaube ich nicht, dass AIG Pleite geht. Als weltweiter Marktführer unter Versicherungen wird sich sicherlich jemand finden lassen, der frisches Kapital hineinpumpt und das Unternehmen wieder auf Spur bringt (Risikopositionen abbauen). Das Kerngeschäft ist ja gesund. Lehman dagegen war einfach nur eine (große) Investmentbank von Vielen. Die wird niemand wirklich vermissen. Sorry, ist so. ;)

Die Fed Funds Futures zeigen übrigens eine deutlich angestiegene Wahrscheinlichkeit, dass morgen Abend (20:15 unserer Zeit) die Fed-Leitzinsen gesenkt werden, ist aber auch klar nach Lehman und Merrill. Trotzdem könnte der Ausgang der Fed-Sitzung richtig spannend werden diesmal.


Stand um 17:00

Stand um 22:00

Quelle: Bloomberg


Was mir unklar ist: Wal-Mart, Banken

1. Wie kann Wal-Mart (heute gemeldet) steigende Umsätze/Profite für 2008 erwarten, wenn es immer mehr Arbeitslose in den USA gibt?

Wal-Mart profit climbs 17%, ups 2008 goal

2. Wie können Banken Milliarden für Wertpapier-Rückkäufe ausgeben, wenn sie gerade erst neues Kapital aufgenommen haben? Schlägt sich das nicht auf die künftigen Ergebnisse nieder, bzw. zieht das nicht neue Kapitalerhöhungen nach sich?

Finanzkrise: Großbanken zahlen Milliarden an Anleger

Mögliche Antworten?