Eine Schwächung des Euro von innen

Ein Faktor der bisher so nicht abzusehen war, könnte den Euro stärker treffen und ihn weiter schwächen (v.a. gegenüber dem Dollar). Gestern wurde das Länderrating von Griechenland durch Standard & Poor’s herabgesetzt (auf ein A-). Dies ist damit das schlechteste Rating aller Euro-Länder. Heute gibt es erste Gerüchte, dass Irland möglicherweise bald Finanzhilfen vom IMF beantragen könnte (Iren dementieren). Spanien ist ein weiterer Wackelkandidat. Eine zusätzliche Belastung für die Euro-Länder (Österreich, Italien) könnten große Kreditausfälle in Osteuropa darstellen. Denn wenn die in CEE engagierten Banken (Raiffeisen Int., Erste Bank, Unicredit, …) weitere staatliche Hilfe benötigen würden, auch durch (Teil-)Verstaatlichungen, könnten die Ratings dieser Länder unter Druck kommen. Die Folge wäre ein schwächerer Euro.


EU in Frage gestellt, Euro damit auch

Nach der heutigen Absage der Iren zum EU Reformvertrag verliert die Europäische Union und damit auch der  Euro natürlich ihre Glaubwürdigkeit. Der Euro sackt im Tagesverlauf gegeüber dem US-Dollar deutlich ab.

Euro Dollar Absturz nach dem Referendum

Damit gerät die Europäische Union in eine ernsthafte Krise. Denn was jetzt? Die EU braucht unbedingt eine Reform, denn mit den alten Regeln geht es nicht weiter (siehe Außenministerium). Es wird aber noch Monate dauern, bis eine neue Lösung für die EU gefunden ist.

Die RZB zeichnet heute Parallelen zur Entwicklung des Euro nach der verlorenen Abstimmung über den ersten Reformvertrag der EU vor 3 Jahren in Frankreich. Nach der damalige Absage hatte der Euro in den folgenden Monaten deutlich an Wert verloren. Folglich ist in den nächsten Monaten mit einem schwächeren Euro zu rechnen, bis eine neue Lösung gefunden ist.

Euro Abstimmung Frankreich

Quellen: FAZ, RZB


Nervosität beim Euro, Peak noch nicht erreicht

Der Höchststand des Euro hielt nur kurz, ist jedoch höchstwahrscheinlich noch nicht erreicht. Die Nervosität bei den Tradern ist sehr hoch. Das zeigt der Absturz des Euro in den vergangenen beiden Tagen deutlich. Vom Hoch am Dienstag bei 1,6022 brauste der Euro heute Nachmittag auf das Tief von 1,5634. Doch die Spekulation dürfte noch nicht vorbei sein. Nächste Woche werden die Zinsen in den USA mit über 70 Prozentiger Wahrscheinlichkeit um einen viertel Prozentpunt auf 2,00 Prozent gesenkt (das zeigen die Optionskontrakte der CBT). Die Zinsschere öffnet sich damit weiter. Mit dem Test der Neuen Höchststände dürfte der starke Euro weiter sehr bremsend auf die europäische (Export)Wirtschaft wirken. Gleichzeitig kommen die Amerikaner wieder in einen Aufschwung der dafür sorgen sollte, dass Anleger wieder vermehrt in den USA investieren und sich der EUR/USD Wechselkurs wieder beruhigt. Nahezu alle Analysten gehen von einem EUR/USD-Kurs unterhalb von 1,50 bis Ende des Jahres.

FED-Zinsänderungserwartungen für den 30. April:

Dollar Zinsswahrscheinlichkeiten

EUR/USD-YTD noch immer über +7 Prozent

EUR USD Entwicklung YTD 2008


Ausblick: Dollar dürfte noch etwas schwach bleiben

Einmal noch sollte der US-Leitzinssatz bei der nächsten FED-Sitzung am 30. April um 50 Basispunkte auf 1,75 Prozent gesenkt werden. Danach erwarten die meisten Analysten, dass die FED eine Pause einlegen wird um abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt.

Ceteris paribus dürfte der Dollar also bald die 1,60 Marke erreichen. In wenigen Monaten könnten aber in der EU wieder die Zinsen sinken. Der Dollar dürfte dann auch aufgrund von höheren US-Wirtschaftserwartungen wieder zulegen. Die DB erwartet Ende des Jahres einen Kurs von 1,45 EUR/USD. Ich denke der Euro wird ab dem Sommer wieder schwächer werden, da auch die europäische Wirtschaft langsamer wird.

Euro Dollar Ausblick

Quelle: Bloomberg