Die Korrektur, sie kommt oder doch nicht? Viele Analysten und Marktbeobachter (darunter auch ich) erwarten eine Preiskorrektur an den weltweiten Aktien-Indices, aber auch bei anderen Asset-Klassen. Die Märkte sind unglaublich weit vorangeschritten (seit März: DAX 60%, S&P500 62%). Allein nach dieser Performance scheint eine Korrektur nur logisch und überfällig zu sein. Das Problem ist nur, dass eine angesagte Korrektur üblicherweise nicht stattfindet. Warum sollte sie auch kommen? Nach wie vor sind viele Marktteilnehmer unterinvestiert. Privatanleger, aber noch wichtiger viele Institutionelle Investoren (darunter Versicherungen und Fonds) sind weiterhin unterinvestiert. Jede Marktschwäche bietet Möglichkeiten günstig einzusteigen und wird daher für Neuinvestments genutzt. Solange also alle die Korrektur herbeireden, solange gibt es auch keine (nennenswerte Korrektur). Hoch lebe der Bullenmarkt.
Guten Tag, Herr Ljubas! Ich glaube, dass so eine rein herdenpsychologische Erklärung nicht ausreicht. Warum? Erstmals gehen so unterschiedliche Indices wie Rohstoffe, Aktien oder Schanghai-Börse parallel. Das spricht eher für gesteuerte Käufe und Verkäufe. Besonders aber haben sich die kleineren Marktteilnehmer bereits September 2008 weitgehend zurückgezogen. Das Steigen bedeutet nur, dass viele Grossaktionäre, insbesondere die, die selbst emittiert bzw. bereits vor 10 Jahren erstgezeichnet haben (z.B. Buffett, Gates, Jobs, Porsche-Familie, Quandt-Familie etc.) es nicht nötig haben, zu verkaufen. Auch die Banken sitzen auf grossen Portfolios, die sie nun durch die Staatshilfen nicht versilbern müssen, z.B. Portfolios, die sie als Kreditsicherheiten erhalten haben.
Gestern ist z.B. Katar bei Barclays ausgestiegen und hat einen Gewinn von CH 1 Mrd. realisiert. Sobald die Indices wieder am alten Niveau dran sind, werden viele der Grossen versuchen, Kasse zu machen. Derzeit geht es aber nur darum, dumme Kleinere in die Bullenfalle tappen zu lassen.
Ihren Ausführungen kann ich nicht ganz beipflichten. Die von Ihnen erwähnten Herrschaften (Buffett, Gates, Jobs, Porsche-Familie, Quandt-Familie) verkaufen sowieso niemals ihre Aktien. Die sitzen die Börsen-Auf und Abs aus. Ich denke Sie meinen die Hedge Fonds und andere Investoren die auf Kredit spekuliert haben. Die Entschuldung die sich über das gesamte letzte Jahr gezogen hat und aus meiner Sicht ein Hauptuverursacher des Crashs war, ist Anfang 2009 langsam zuende gegangen. Alle Margin Calls waren befriedigt. Es gab keinen Grund mehr zu verkaufen. Gleichzeitig sind nach und nach andere Investoren (auch viele chinesische und arabische Staatsfonds) in den Markt eingestiegen. Mit der Flutung der Finanzmärkte durch billigstes Geld der Zentralbanken, die die Zinsen auf Rekordniveaus gedrückt haben, und dem allmählichen Schwinden der Verunsicherung, kamen/kommen die Investoren langsam wieder zurück. Zusätzlich treibt die Gier wiederrum auch viele Privatanleger in die Märkte.
Sie haben aber Recht, dass Anleger die jetzt in den Aktienmarkt einsteigen, womöglich in naher Zukunft bei einer Korrektur wieder Verluste erleiden werden.