250 Dollar je Barrel führen zum Weltuntergang?

Explosion WeltuntergangIm folgenden Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wird dramatisch zusammengefasst, was passieren könnte, wenn der Ölpreis plötzlich auf 250 Dollar steigen würde. Das klingt alles sehr negativ und eine Weltuntergangsstimmung kommt beim Lesen auf. Wenn man aber bedenkt, dass vor einigen Jahren viele Analysten ebenfalls prophezeit hatten, dass es zu einer globalen Wirtschaftskrise kommen würde, wenn der Ölpreis auf 80 oder 100 Dollar steigen würde, wird das Ganze in ein anderes Licht gerückt. Die gute Nachricht ist, dass es wohl unwahrscheinlich ist, dass Öl (rasch) auf 250 Dollar je Barrel hinaufschnellt.

Kaum ein Schreckensszenario dürfte Wirtschaftslenker und Politiker so beängstigen wie ein Anstieg des Ölpreises auf 250 Dollar je Barrel, wie ihn der russische Energiekonzern Gazprom vorhergesagt hat. Sollte sich der schon jetzt beispiellos hohe Ölpreis noch einmal fast verdoppeln, hätte dies nach Ansicht von Analysten katastrophale Folgen. Die Weltwirtschaft würde ebenso erschüttert wie die elementare Versorgung der Weltbevölkerung. Das internationale Machtgefüge zwischen den Staaten drohte sich einschneidend zu verändern.

Die Lebensmittelpreise dürften in diesem Fall noch einmal um fast hundert Prozent anziehen, warnt Peter Beutel, Präsident von Cameron Hanover Inc., einer auf den Energiesektor spezialisierten Unternehmensberatung. Die Aufwendungen der Landwirte würden von einer Ölpreis-Hausse, wie sie Gazprom-Chef Alexej Miller für die “vorhersehbare Zukunft” prognostizierte, weiter in die Höhe getrieben. Schon der jüngste Anstieg des Ölpreises auf zweitweise knapp 140 Dollar je Barrel hat Diesel für Landmaschinen und den Transport massiv verteuert. Steigende Strompreise erhöhen die Kosten von Beregnungs- und Stalltechnik.

In Ländern wie Mexiko oder Ägypten gab es bereits soziale Unruhen, nachdem die Getreidepreise in den vergangenen drei Jahren stark zugelegt haben. Für arme Bevölkerungsschichten sind Grundnahrungsmittel wie Brot mancherorts kaum noch erschwinglich. Der Maispreis hat sich seit 2005 verdreifacht, Weizen ist 180 Prozent teurer als vor drei Jahren.

Die USA, Europa und Japan würden bei einem Ölpreis von 250 Dollar in eine schwere Rezession stürzen, warnt Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody’s Economy.com, einer Sparte der Ratingagentur Moody’s Investors Service. Die Schwellenländer würde dies mit in den Abgrund reißen. “Ich weiß allerdings nicht, wie wir ein Niveau von 250 Dollar je Barrel erreichen sollten”, so der Ökonom. “Die Konjunktur würde schon lange vorher in sich zusammensacken. Damit würde die Nachfrage schwinden und der Ölpreis würde zurückgehen.”

Das Analysehaus Global Insight Inc. schätzt, dass ein Ölpreis von 250 Dollar das Wirtschaftswachstum der USA um 2,5 Prozentpunkte mindern würde. Volkswirtschaften, in denen die produzierende Industrie einen größeren Anteil an der Wirtschaftskraft hat, könnten noch stärker belastet werden.

“Viele Unternehmen müssten bei 250 Dollar je Barrel schließen”, sagt Carlos Mattei, Vice President für Beschaffung beim mexikanischen Glasproduzenten Vitro SAB in Monterrey. Gerade bei kleinen Unternehmen würde das Geld dann nur soweit reichen, dass sie entweder die Kraftstoff-Rechnung oder die Löhne zahlen könnten.

Besonders hart getroffen würden Fluggesellschaften. Wenn der Ölpreis weiter steigt, dürften Airlines wohl nur unter staatlicher Obhut überleben können, warnte Barry Sternlicht, Chef des Vermögensverwalters Starwood Capital Group Anfang des Monats auf einer Konferenz der Hotel-Branche. Die Gesellschaften wären dann nicht mehr in der Lage, durch den Ticketverkauf ihre Kosten zu decken. Nur mit staatlichen Zuschüssen wäre es möglich, die Flugpreise in einem bezahlbaren Rahmen zu halten, so Sternlicht. Beim bisherigen Geschäftsmodell müsste sich der mittlere Ticketpreis mehr als verdreifachen, um bei einem Ölpreis von 250 Dollar die Gewinnschwelle zu erreichen, erklärte der Chef des amerikanischen Flugriese US Airways Group Inc., Scott Kirby.

Auf die Autoindustrie hätte ein solcher Ölpreis ebenfalls eine verheerende Wirkung. Gerade für große Geländewagen, deren Nachfrage in den USA bereits absackt, wäre es wohl das Aus. Das private Verkehrsaufkommen werde insgesamt nachlassen, erwartet Global Insight. “Und mit Sicherheit werden Mütter ihre Kinder nicht mehr mit Schlachtschiffen wie einem Chevy Suburban durch die Gegend fahren”, sagt Analyst John Wolkonowicz.

“Für alle Öl importierenden Länder wäre es ein Desaster, für die Demokratien genauso wie für China”, sagt James Woolsey von der Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton Inc. Enorm profitieren würden hingegen die Monarchien und Diktaturen, aus denen der Großteil der Ölproduktion stamme.

Am 6. Juni erreichte der Ölpreis den Rekordwert von 139,12 Dollar je Barrel. Die Investmentbanken Goldman Sachs Group Inc. und Morgan Stanley prognostizieren, dass sich Rohöl innerhalb der nächsten Monate auf 150 Dollar je Barrel verteuern wird. Die 250-Dollar-Schätzung, die Gazprom-Vorstandschef Miller am 10. Juni wagte, ist die bislang höchste Prognose eines Schwergewichts aus der Öl- und Gasindustrie.

Viele Analysten halten einen Ölpreis von 250 Dollar je Barrel allerdings für unwahrscheinlich. Damit es soweit komme, müsse es schon einen Krieg geben oder einen Anschlag auf wichtige Anlagen der Ölindustrie, sagt Jeff Spittel von der Investmentbank Natixis Bleichroeder Inc. Steigende Ölpreise senken tendenziell die Nachfrage. Angesichts der jüngsten Preisrekorde hat die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognose für den globalen Ölverbrauch vergangene Woche den fünften Monat in Folge gesenkt. Die US-Behörde für Energieinformationen sieht den Ölpreis Ende 2009 auf 120 Dollar je Barrel sinken.

Quelle: Bloomberg


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